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Der Gazetteer
Ein Gazetteer bezeichnet ein systematisches Ortsnamensverzeichnis, das Namen z.B. für Orte,
Adressen, Verwaltungseinheiten oder Flüsse mit ihrem Raumbezug, d.h. mit den zugehörigen
geographischen Koordinaten, verknüpft.
Jedes Element in einem Gazetteer besitzt einen Namen und eine Ortsangabe, wobei der Name
der geographische Bezeichnung entspricht und die Ortsangabe in Form einer Geometrie, d.h. eines Punktes,
eines Polygons oder einer Linie abgebildet wird.
Die konzeptionelle Grundlage der Gazetteer-Implementierungen für INSPIRE und GDI-DE ist in
"ISO 19112 - Spatial referencing by geographic identifiers" festgeschrieben, wobei die
eindeutige Identifizierung einen wesentlichen Bestandteil darstellt.
Da z.B. Ortsnamen unter Umständen mehrfach auftreten können (z.B. Frankfurt oder Neunkirchen),
wird durch eine Kombination - z.B. mit einer Kennziffer - Eindeutigkeit hergestellt,
so dass jedes Element eindeutig identifiziert und aufgrund der Ortsangabe (Koordinate)
lokalisiert werden kann.
In einer Geodateninfrastruktur stellt ein "Gazetteerdienst" eine standardbasierte Schnittstelle
dar. Diese kann von mehreren Anwendungen genutzt werden, so dass keine eigenen
Datenbanken für die Ortsuche benötigt werden. Hierzu werden die Anfragen nach einem Ort an den
Gazetteerdienst weitergeleitet (z.B. Suche "München"), dieser wertet die Anfrage in Form einer
Datenbankabfrage aus und gibt eine Antwort an die anfragende Anwendung,
z.B. in Form einer (Ortsmitte) oder mehrerer Koordinaten (Eckpunkte eines Ausschnitts) zurück.
Neben der Lage kann ein Gazetteer potenziell auch geometrisch-topologische Beziehungen beschreiben.
So ist man z.B. in der Lage einem Fluss seine angrenzende Naturräume zuzuordnen oder einer
Bundessstraße die entsprechenden Nebenverkehrswege.
Ein besonderes Merkmal ist die gleichzeitige Unterstützung textlicher und geometrischer
Beschreibungselemente. Der Gazetteer erlaubt eine flexible raumbezogene Recherche nach Elementen mit
Ortbezug und steht als Ortssuche in vielen Geoportalen zur Verfügung. Auch im Alltag wird diese
Funktionalität genutzt, beispielsweise zur Definition eines Zieles bei Navigationssystemen.
In diesem Fall lokalisiert das System die Ortsangabe in Form eines Namens oder einer Plz und
benutzt die dazugehörigen Koordinaten zur Berechnung der Route.
Weitere Anwendungsbereiche gehen über ISO19112
hinaus, indem z.B. die Namenselemente des Gazetteer über weitere Eigenschaften wie Mehrsprachigkeit,
Aussprache oder Status (z.B. offiziell, historisch) verfügen und der Gazetteer somit zu einem
Namensauskunftssystem ausgebaut werden kann.

